Züchtung aktiv mitgestalten

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Züchtung aktiv mitgestalten

Auf der Messe Biofach 2013 haben engagierte Naturkosthändler die biologische Gemüsezüchtung von Kultursaat e.V. erneut finanziell unterstützt. Die Zusammenarbeit wird gestaltet über die Initiative Fair-Breeding, eine Kooperation der Einzelhändler mit ihrem Verein Naturata International und der biologischen Gemüsezüchter mit dem Verein Kutursaat. Beide Seiten arbeiten langfristig auf Basis der Idee des assoziativen Wirtschaftens nach Rudolf Steiner zusammen. Michael Fleck, Geschäftsführer bei Kultursaat, freut sich über die Spende von 16.000 Euro, die er auf der Biofach entgegennehmen durfte (siehe Foto: Fair-Breeding-Spende an Kultursaat e.V. BioFach 2013, v.l.n.r. Roland Majerus, René Groenen, Michael Fleck, Heinz Knauss, Jürgen Tschentscher, Sibylle Kauf, Susanne Fschenscher, Fabian Otto, Gebhard Rossmanith).

Saatgut ist Kulturgut

Die Spende leistet auch einen Beitrag dazu, dass Gemüsepflanzen frei vermehrbar bleiben und nicht auf absehbare Zeit zum “Quasi-Eigentum” weniger Saatgutunternehmen werden. Der Verein Kutursaat, der seine Arbeit mit Hilfe der Spende fortsetzen kann, hat sich zum Ziel gesetzt, dass Saatgut und Sorten Kulturgut bleiben und Menschen einen freien Zugang zu dieser Ressource behalten. Kutursaat ist eine der wenigen Initiativen, die den Einsatz von Patenten und anderen Schutzmechanismen sowie Gentechnik in der Pflanzenzüchtung grundsätzlich ablehnen.

Es ist leicht, gegen Gentechnik und Patente in der Züchtung zu sein. Dagegen ist es schwer, am Markt zu bestehen, wenn man gentechnische Verfahren nicht einsetzt. Wenn aber niemand alternative Wege beschreitet, könnte es sein, dass bald die Züchtung nur noch mit Hilfe von Gentechnik und Lizenzabgaben für Patente möglich ist. Deshalb denke ich, dass Züchterinitiativen, wie Kutursaat, wichtig für unsere Gesellschaft sind.

Wer die Arbeit von Kutursaat unterstützen möchte, findet hier weiterführende Informationen:

Konzentration im Saatgutmarkt

Die Pflanzenzüchtung ist heute in der Hand weniger großer Unternehmen, die auf dem Weltmarkt für Saatgut mitspielen. Im Gemüsebau lassen sich die international bedeutenden Firmen an zwei Händen abzählen. Firmenübernahmen oder starkes eigenes Wachstum prägten das Bild der Saatgut-Branche in den letzten 20 Jahren.

  • Warum ist diese Entwicklung aber eine Sackgasse?
  • Wie funktioniert Pflanzenzüchtung heute?
  • Was haben moderne Methoden der Pflanzenzüchtung mit der Entwicklung auf dem Saatgutmarkt zu tun?
  • Welche Ansätze gibt es, um in eine andere Richtung zu steuern?

Auswirkung der Marker-gestützten Züchtung

Die großen Unternehmen in der Pflanzenzüchtung setzen heute auf den Einsatz von gentechnischen Verfahren. Die Züchtung arbeitet dabei mit Hilfe sogenannter “Gen-Marker”, die gezielt im Erbgut angeheftet werden. Durch diese Marker-Methode und den anschließenden Einsatz von gentechnischen Analyseverfahren, kann man schon am ersten Keimblatt erkennen, ob die neue Pflanze die gewünschten Eigenschaften hat oder nicht. Diese Arbeitsweise, auch Präzisionszüchtung genannt, beschleunigt die Entwicklung neuer Sorten enorm. Voraussetzung für den Einsatz der Marker-gestützten Züchtung ist aber die Analyse des Erbguts und das Wissen über die Zusammenhänge zwischen Erbgut und späteren Eigenschaften der Pflanze.

Die Präzisionszüchtung ist forschungs- und kapitalintensiv. Die ganz großen Unternehmen in der Branche leisten diese Forschung eigenständig. Etwas kleinere Züchter haben sich dagegen in Kooperationen zusammengeschlossen, um hier mithalten zu können. Eine derartige Forschungskooperation in der Gemüsezüchtung ist das Unternehmen KeyGene. Dort haben die Firmen die Forschung rund um das pflanzliche Erbgut und gentechnische Verfahren gebündelt. Hier ein Link zur KeyGene-Website, auf der die aktuell kooperierenden Unternehmen genannt werden: Cooperations | KeyGene

Bei der Präzisionszüchtung entstehen meist keine gentechnisch veränderte Organismen (GVO/GMO), bei denen Erbgut aus einer anderen Art eingeschleust wird. Trotzdem hat der Einsatz der Marker-gestützten Züchtung den Saatgutmarkt verändert.

Genom-Forschung, hohe Investitionen, Patente

Die gentechnischen Verfahren sparen Zeit und das ist in der Züchtung ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig ist ein hoher Investitionsbedarf für Forschung und Entwicklung nötig. Diese Kombination führt dazu, dass die Unternehmen weltweit mit wenigen Sorten einen hohen Marktanteil erzielen wollen, um die Refinanzierung zu erleichtern. Die Sortenvielfalt gerät dabei unter Druck.

Um die Investitionen in die Forschung abzusichern, werden die resultierenden Produkte (Pflanzen) und Verfahren meist soweit es geht geschützt. Dabei spielen auch Patente eine wichtige Rolle. Patente und andere Schutzmechanismen schließen jedoch immer häufiger kleinere Züchter vom Züchtungsprozess aus.

Das Zusammenspiel von Unternehmenswachstum, Konzentrationsprozess, Investitionen, Beschleunigung der Züchtung und Einsatz von Schutzmechanismen erzeugen einen Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Das macht eine Abkehr von diesem Weg  unter den aktuellen Rahmenbedingungen schwer und hat weltweit Auswirkungen auf die Vielfalt unserer Kulturpflanzen, unsere Ökosysteme und die Lebensverhältnisse von Landwirten.

Politik und Bürger sind gefordert

Wollen wir diese Entwicklung nicht weiter laufen lassen, ist es notwendig, die Rahmenbedingungen und Gesetze für die Unternehmen zu ändern. Das wäre die Aufgabe der Politik. Hieran arbeiten auch zahlreiche NGOs und Parteien mit ökologischer Ausrichtung. Ein grundlegender Durchbruch ist aber auf dieser Ebene noch nicht gelungen.

Neben der politischen Arbeit ist die zweite Säule der Erhalt und Wiederaufbau einer alternativen Pflanzenzüchtung, die ohne gentechnische Verfahren arbeitet. Hohe Investitionen in Erbgutforschung sind hierbei nicht nötig und deshalb könnte sich eine alternative Züchtung breiter und regionaler ausrichten.

Alternativen aufbauen

Wenn wir als Konsumenten, als Bürger und Gesellschaft die Vielfalt von Kulturpflanzen wollen, dann müssen wir diejenigen unterstützen und fördern, die zum Erhalt dieser Vielfalt beitragen. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Die Kosten, die für den Erhalt dieser Freiheit entstehen, sollten nicht in den Saatgutpreis einfließen, denn das würde den Wettbewerb zwischen alternativer Pflanzenzüchtung und gentechnisch-basierter Pflanzenzüchtung weiter verzerren.

Der Verein Naturata International, hat mit seiner langfristigen Förderung von Kutursaat ein gutes Beispiel gegeben. Die engagierten Einzelhändler haben gezeigt, was es heißt, gesellschaftliche Verantwortung im eigenen Wirkungsfeld zu erkennen, anzunehmen und in Handeln umzusetzen.

Welche Verantwortung nehmen wir als Bürger und Konsumenten an, um eine gentechnikfreie Züchtung und die Sortenvielfalt bei unseren Kulturpflanzen zu erhalten?

Weiterführende Links

Zukunftsstiftung Landwirtschaft
Saatgutfonds
Save Our Seeds
Weltagrarbericht
Good Food Good Farming
Meine Landwirtschaft
Michael Fleck erklärt die Züchtung samenfester Sorten

Mir ist bewusst, dass dieser Beitrag das Thema nur grob anreißen kann und an einigen Stellen eine weitere Erklärung schuldig bleibt.  Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Meinung oder Fragen zu dem Thema in die Kommentare schreibt. Gibt es darüber hinaus Bedarf nach einer struktuierteren Diskussion, wäre das Thema auch geeignet, um ein Diskussionsforum damit zu eröffnen.

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