Wir haben es satt! Demo für Öko-Landwirtschaft


Wir haben es satt! lautete das Motto zu dem sich bei wunderschönem Winterwetter am Samstag, den 18. Januar, rund 30.000 Menschen in Berlin versammelten, um für einen Kurswechsel in der Agrarpolitik zu demonstrieren.

Mit dem Motto Wir haben es satt! richten sich die Demonstranten nun schon im vierten Jahr in Folge gegen den weltweiten Hunger, Lebensmittelskandale, das Sterben kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Großmastställe, Monokulturen und Gentechnik auf den Äckern sowie Landnahme durch Staaten und Investoren. Das nachfolgende Video gibt einen Gesamteindruck von der Großdemonstration.

Wir haben es satt! Demo

 

Landwirtschaft nachhaltig gedacht

Modell von Landwirtschaft der Teilnehmer von Wir haben es satt! setzt auf eine artgerechte Tierhaltung, eine bienen- und umweltfreundliche Landwirtschaft, Zugang zu Land und vielfältigem Saatgut weltweit sowie ein Recht auf Nahrung und bezahlbares Essen.

Carlo Petrini, Präsident von Slow Food International, fasste in seiner Rede auf der Abschlusskundgebung von Wir haben es satt! die Anliegen der Menschen, die sich vor dem Kanzleramt versammelt hatten, treffend zusammen: „Die bäuerliche Landwirtschaft ist nicht modernitätsfern, arm oder unterentwickelt. Es ist ein nachhaltiges landwirtschaftliches Modell, das natürliche und menschliche Ressourcen respektvoll nutzt und Ernährungssicherheit weltweit garantiert. Dafür steht das diesjährige Internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe und dafür stehen wir heute in Berlin!“

Gentechnik durch die Hintertür des EU-Freihandelsabkommens

In diesem Jahr richtete sich die Teilnehmer von Wir haben es satt! auch gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP). Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND e.V. nahm darauf in seiner Rede Bezug: „Dieses Abkommen gefährdet uns, unsere Kinder, die Tiere und die Umwelt. Das dürfen wir nicht zulassen. Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Gentechnik auf dem Teller lehnen wir ab! Stattdessen brauchen wir eine Landwirtschaft, in der bäuerliche Betriebe gefördert werden statt Massentierhaltung und Export.“

Eine Besonderheit an dem Bündnis Wir haben es satt! ist die Konstanz und Breite der Zusammenarbeit der verschiedenen Träger, Landwirte und Imker. Zur Großdemonstration in Berlin sind in den letzten vier Jahren stets mehr als 20.000 Menschen gekommen.

Die öffentliche Diskussion zu Massentierhaltung sowie industrieller Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung wird auch in den nächsten Jahren weiter Zündstoff bieten. “Wir kommen wieder” versprachen die Organisatoren von Wir haben es satt! zum Abschluss der Kundgebung und ernteten tosenden Applaus von den Menschen auf dem Platz vor dem Kanzleramt in Berlin.

Wir haben es satt! Stimmen von der Demonstration

Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland
Slow Food und gutes Essen und nachhaltige Landwirtschaft passen ausgesprochen gut zusammen. Gute Lebensmittel, die schmecken und gesund sind und Vielfalt darstellen, kommen alle nur aus einer nachhaltigen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft. In einer derartigen Landwirtschaft bleibt den Gesamtzusammenhang von Boden, Tierhaltung und Wertschätzung der Lebensmittel erhalten.

Dr. Ursula Hudson im Video-Gespräch auf der Wir haben es satt! Demonstration.

Dr.Kathrin Birkel, Expertin für Agrarpolitik beim BUND e.V.
Wir setzen auf eine Abkehr von der Agrarindustrie. ... Es kommt zu einer zunehmenden Machtkonzentration in den Händen weniger. Wir wollen eine Abkehr davon und eine Besinnung auf eine bäuerlich nachhaltige Landwirtschaft. Das heißt, wir wollen moderne, nachhaltige und dezentrale Strukturen einführen und eine Landwirtschaft umsetzen, mit der es den Bauern, dem Tieren und der Umwelt gut geht.

Dr. Kathrin Birkel im Video-Gespräch auf der Wir haben es satt! Demonstration.

Carlo Petrini, Präsident Slow Food International
Es kann, es darf nicht sein, dass unser Essen alles gleich aus sehen muss, das geht gar nicht. Dieses System schadet den Bauern und der Landwirtschaft, es macht uns, unsere Herzen, unsere Leidenschaft und unser Leben kaputt.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes: "Immer größere Bestände in immer intensiveren Haltungen mit immer mehr manipulierten Hochleistungstieren sind ein Irrweg. Wir brauchen ein neues Denken und Handeln in der Agrarpolitik."

Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):
Die Menschen wollen keine Gentechnik auf Äckern und Tellern. Die Zukunft aller Landwirte in Deutschland hängt daher davon ab, ob sie weiterhin gentechnikfrei produzieren können.

Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung bei MISEREOR:
Milchpulver, Hühnchenreste und Schweinefleisch, die in Massen von Deutschland und der EU exportiert werden sind so billig, dass Bauern in Afrika damit nicht konkurrieren können. Auch unsere Soja-Importe als Futtermittel für die massenhafte Fleischproduktion gehen auf Kosten der Armen in den Herkunftsländern.

Weiterführende Links

Wir haben es satt! Bündnis

BUND e.V.

Slow Food Deutschland

Slow Food International

BÖLW

MISEREOR

Freiheit für die Vielfalt

Ein Kommentar

  1. es ist ein Skandal, wie wenig Bedeutung gute Ernährung in Deutschland hat. Hauprsache billig, billig, billig. Gerade hat Günter Wallraff Großküchen inkognito besucht, und dort furchtbare Missstände aufgedeckt.

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