Schnippeldisko Berlin − Wir haben es satt!

Die Schnippeldisko fand nun zum vierten Mal statt und die Teilnehmer verkochten im Cabuwazi Zirkus am Postbahnhof rund eine Tonne Gemüse für die Protestsuppe, die in der Heinrich-Böll-Stiftung nach der „Wir haben es satt!“ Demo an die Teilnehmer ausgegeben wurde.

Krumm und lecker

Gekocht wurde auf der Schnippeldisko mit Gemüse, das Landwirte aus der Region spendeten. Dabei handelte es sich teilweise um Ausschussware, also krumm gewachsenes Gemüse oder Gemüse mit Macken. Das sei jedoch kein Nachteil, erklärt Nadja Flor-Spence, die Erfinderin der Schnippeldisko in Berlin. Alle, die hier mitschnippeln, kämen in Berührung mit Produkten, die normalerweise nicht in den Handel kommen. Doch Gemüse sei nun mal nicht perfekt und brauche es auch nicht zu sein, wichtig sei, dass es schmeckt und nährt, so die Aktivistin von Slow Food Youth Deutschland.

Parallel zur Kochaktion legen die DJs florinn & decent Musik auf. So konnten die Kochaktivisten zum Rhythmus der Musik schnippeln oder zwischendurch tanzen. Noch am gleichen Abend verkochte Aktionskoch Pieter Jan Kat aka Wam Kat mit seiner Koch-Crew von Fläming Kitchen das Gemüse der Schnippeldisko in großen 300-Liter Töpfen.

Schnippeldisko mit Freude und Liebe

Carlo Petrini, Slow Food Gründer und Präsident der internationalen Dachorganisation von Slow Food, besuchte die Schnippeldisko und war sichtlich beeindruckt von politischen Aktion im Zirkuszelt und der Freude, der Liebe und Leidenschaft, mit der die jungen Menschen auf der gemeinsam kochten. Er sprach zu den Teilnehmern und forderte Sie auf, dabei mitzuwirken das System der Lebensmittelwirtschaft zu revolutionieren. Ein System, das die Gleichförmigkeit von Gemüse fordere und zu hohen Lebensmittelabfällen führt, sei unmenschlich, es zerstöre die bäuerliche Landwirtschaft, unsere Leidenschaft, unsere Herzen und unser Leben, so Carlo Petrini.

Von Diffamierung und Gesprächsverweigerung

Hendrik Haase aka Wurstsack von Slow Food nahm Bezug auf die Äußerung von Joachim Rukwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, der den Umweltverbänden vorwarf, vor der Grünen Woche immer die gleichen ideologischen Phrasen zu präsentieren und den öffentlichen Frieden zu gefährden. „Ideologen, die immer in der gleichen Art und Weise versuchen, bildlich gesprochen, Gülle über redlichen Bauernfamilien auszuschütten, indem sie falsch informieren und Angst schüren.“ Die Gesprächsverweigerung und die geäußerten Vorwürfe seien ein Skandal, so Hendrik Haase und für ihn zusätzlich Anlass bei der „Wir haben es satt!“ Demo in Berlin auf die Straße zu gehen.

Besucht man die Grüne Woche und auch die Veranstaltungen wie die Schnippeldisko und „Wir haben es satt!“ Demo, so wird klar, dass es sehr viel Gesprächsbedarf gibt. Die Werte und Vorstellungen sind sehr unterschiedlich, mit der die Vertreter des Deutschen Bauernverbands auf der einen und der Umweltverbände und Slow Food auf der anderen Seite auf die Landwirtschaft und den Lebensmittelsektor schauen.

Weiterführende Links

Das Huhn braucht keinen Klassenkampf, Artikel FAZ von Jan Grossarth

30.000 Menschen fordern: Stoppt Agrarindustrie! auf der Website von Slow Food Deutschand

Kritischer Agrarbericht 2014

Website von Slow Food International

Slow Food Youth Deutschland

Hendrik Haase aka Wurstsack

Fläming Kitchen und Wam Kat

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