Regionalwert AG – Ökologisch und sozial investieren

Regionalwert AG – Ökologisch und sozial investieren

Am 23. Mai gründete sich die Regionalwert AG Hamburg. Die Aktiengesellschaft will durch Beteiligungen an Unternehmen in Schleswig-Holstein und der Metropolregion Hamburg die lokale und ökologische Lebensmittelwirtschaft fördern und vernetzen.

Groß war die Freude über den offiziellen Start der Regionalwert AG Hamburg bei Ulf Schönheim, einer der beiden Vorstände. Ulf Schönheim hat in den letzten Monaten leidenschaftlich für die Idee der Bürgerbeteiligungsgesellschaft in der Region geworben und Gründungsmitglieder gesucht. Viel Engagement und Begeisterung hat das ganze Team der Gründungsmitglieder in die Entwicklung des Konzeptes einfließen lassen. Nun ist das notwendige finanzielle Fundament geschaffen. Die Arbeit der Regionalwert AG Hamburg kann beginnen.

Beteiligung an lokaler Lebensmittelwirtschaft

Möglichst zügig wollen die Gründer nun einen Wertpapierprospekt erstellen, der die Grundlage für die erste Kapitalerhöhung ist. Voraussichtlich ab Januar 2015 können Bürger und Investoren Aktien erwerben. Parallel dazu werden die ersten Investitionspläne ausgearbeitet.

Das Geld, das durch die Ausgabe der ersten Wertpapiere reinkommt, soll in Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft investiert werden, in landwirtschaftliche und verarbeitende Betriebe sowie in Unternehmen aus Handel und Gastronomie. So entsteht ein Wertschöpfungs- und Beziehungsnetzwerk vom Landwirt bis zum Endverbraucher. Der Austausch von Waren und Wissen ist ein zentrales Anliegen der Netzwerkpartner. Die enge Kooperationsbereitschaft soll wertvolle Synergieeffekte in der Vermarktungskette erschließen.

Förderung einer öko-sozialen Wirtschaft

Das Geld der Regionalwert AG Hamburg fließt nur in Unternehmen, die sich nachhaltig für ökologisches und soziales Wirtschaften einsetzen. Die Beurteilung der Unternehmen erfolgt mit Hilfe eines abgestimmten Kriterienkatalogs.

Je nach Art des Unternehmens können die ökologischen und sozialen Faktoren variieren, die im Kriterienkatalog berücksichtigt werden. Beispiele wären: ökologischer Anbau in der Landwirtschaft, Erhalt der Fruchtbarkeit des Bodens, Verwendung ökologischer Produkte in der Gastronomie, gerechte Entlohnung der Mitarbeiter, Integration schwächerer Menschen, solides betriebswirtschaftliches Wirtschaften oder die Ausschöpfung der Synergieeffekte im Netzwerk. Der Kriterienkatalog umfasst insgesamt 64 Faktoren und ist Bestandteil des Investitions- und Beteiligungsvertrags zwischen den Netzwerkpartnern und der Regionalwert AG Hamburg.

Idee der Regionalwert AG breitet sich aus

Ein Vorbild für Bürgerbeteiligungsgesellschaft in Hamburg war die Regionalwert AG in der Region Freiburg, die Christian Hiß im September 2006 startete. Bei einer Regionalwert AG gehe es nicht in erster Linie um den finanziellen Ertrag der Kapitalanlage, sondern vielmehr stehe die ökologische und soziale Gestaltung einer Region im Mittelpunkt, erklärt Christian Hiß.

Inzwischen hat das Konzept Ableger in anderen Regionen bekommen. Im September 2011 gründete sich die Regionalwert AG Isar/Inn im Großraum München. Jetzt folgte Hamburg und weitere Bürgerbeteiligungsgesellschaften sind in Planung.

Stadt und Land zusammenbringen

Vor dem gesellschaftlichen Hintergrund von Klimakatastrophe, Umweltzerstörung und Globalisierung, trifft der Ansatz der Regionalwert AG einen Nerv der Zeit. Doch es gibt auch andere Lösungen, um nachhaltiges lokales Wirtschaften voranzubringen. So arbeiten zum Beispiel manche Bio-Supermärkte sehr eng mit lokalen Betrieben aus der Landwirtschaft zusammen und machen die Beziehung für ihre Kunden transparent.

Einige landwirtschaftliche Betriebe suchen selbst den direkten Kontakt zu Verbrauchern. Sie beliefern ihre Kunden mit Abo-Kisten oder entwickeln ihre Höfe im Sinne der solidarischen Landwirtschaft. In der solidarischen Landwirtschaft beteiligen sich Bürger finanziell an einem konkreten Betrieb. Sie teilen die jährlich anfallenden Kosten des Hofes in der Gemeinschaft auf und erhalten im Gegenzug Anteile der Ernte.

Langfristige Beteiligung mit Eigenkapital

Das Konzept der Regionalwert AG unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt deutlich. Die Bürgerbeteiligungsgesellschaft bündelt Kapital, um es zielgerichtet in ökologisch und sozial ausgerichtete Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft zu investieren. Sie stellt Eigenkapital bereit. Das ermöglicht zum Beispiel jungen Menschen den unternehmerischen Einstieg in die Land- und Lebensmittelwirtschaft.

Der Erhalt von fruchtbaren Böden, eine abwechslungsreiche Landschaft, sauberes Wasser und Luft, Artenvielfalt, gerechte Entlohnung, Aus- und Fortbildung von Arbeitnehmern, all das sind Punkte, die in einer rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung heute nicht ausreichend berücksichtigt werden. Immer mehr Menschen sind ökologische und soziale Aspekte des Wirtschaftens wichtig.

Mehr im Blick als die Gewinne

Die Regionalwert AG vereinbart, deshalb mit ihren Netzwerkpartnern nicht nur den Nachweis der betriebswirtschaftlichen Wertschöpfung sondern auch einen Bericht über die soziale und ökologische Wertsteigerung anhand von festgelegten Nachhaltigkeitsindikatoren. Die Informationen werden im jährlichen Geschäftsbericht der Regionalwert AG veröffentlicht, sodass die Aktionäre sich ein Bild über die öko-soziale Wirkung ihres Geldes machen können.

Bürger können mit ihrem Geld “vor der Haustür” gestaltend aktiv werden und sie können über die Lebensmittel erfahren, was ihr Geld bewirkt. Sie kommen mit den Netzwerkpartnern ins Gespräch und haben über die jährliche Aktionärsversammlung Einfluss auf die Weiterentwicklung des regionalen Netzwerkes.

Die Idee der Regionalwert AG ein spannender Beitrag der derzeit intensiven öffentlichen Diskussion über die Landwirtschaft der Zukunft.

Links

Regionalwert AG Hamburg

Regionalwert AG Freiburg

Regionalwert AG Isar-Inn

Lebensgarten Soest

Netzwerk Solidarische Landwirtschaft

Artikel „Solidarische Landwirtschaft: Neue Beziehungsnetze“

2 Kommentare

  1. Marek Thi sagt:

    Regionalwert AG
    Hamburg nimmt Arbeit auf

    Breite Basis: 45 Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen als
    Gründungsgesellschafter / Ziel: eine vielfältige, regionale Land- und
    Lebensmittelwirtschaft vom Acker bis zum Teller / Mittel: Bürger-Aktien und
    unternehmerische Eigenkapitalinvestitionen / Nächste Schritte:
    Wertpapierprospekt und erste Investitionsvorhaben / Bereits dritte Regionalwert
    AG in Deutschland

    Hamburg, 8. August 2014. Die
    Regionalwert AG Hamburg ist ins Hamburger Handelsregister eingetragen und nimmt
    ab sofort offiziell die Arbeit auf. 45 Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen
    hatten die AG Ende Mai gegründet. Ende 2014 will die Regionalwert AG Hamburg
    neue Aktien ausgeben. Die Mittel will sie als Eigenkapital in die regionale
    Land- und Lebensmittelwirtschaft investieren. Erste Investitionen bereitet sie
    bereits vor. So soll ein sozialer, ökologischer und unternehmerischer
    Wertschöpfungsverbund in Schleswig-Holstein und der Metropolregion Hamburg
    entstehen.

    Das Ziel: Kooperation statt Konkurrenz und Kostendruck

    Ulf Schönheim und Malte Bombien wurden zu den Vorständen der
    Regionalwert AG bestellt. Sie verfügen über ein vielfältiges Know-how aus
    Landwirtschaft, Kommunikation und der Finanzbranche. Der sechsköpfige
    Aufsichtsrat bringt weiteres Wissen ein, unter anderem aus Landwirtschaft,
    Steuerrecht, Betriebsführung und Investitionsstrukturierung.

    Vorstand Ulf Schönheim: „Mit der Regionalwert AG Hamburg wollen
    wir einen lebendigen Verbund von Aktionären, Landwirten, Weiterverarbeitern,
    Händlern und Verbrauchern schaffen. Unser Ziel: Kooperation statt Konkurrenz
    und Kostendruck – vom Acker bis zum Teller.

    Die ganze Pressemeldung gibt es hier
    http://regionalwert-hamburg.de/post/94144280205/pressemitteilung-regionalwert-ag-hamburg-nimmt-arbeit

    Pressekontakt
    Ulf Schönheim
    Vorstand

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