Ökologische Landwirtschaft – wo wollen wir hin?

Ökologische Landwirtschaft – wo wollen wir hin?

Mehr als sonst sprechen wir derzeit über die Landwirtschaft. Das ist gut, denn die Landwirtschaft liefert schließlich die Grundlage für unsere Ernährung. Doch wir sollten uns auch aktiv einmischen, wie Landwirtschaft betrieben werden soll.

Von Skandalen und Politik

Lebensmittelskandale haben die Landwirtschaft in den Schlagzeilen gehalten. Zur Erinnerung: chinesischen Erdbeeren, Pferdefleisch oder Betrug mit Bio-Eiern. Derzeit laufen auch die Verhandlungen zur Neugestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik in der Europäischen Union, kurz GAP oder international CAP genannt. Die GAP legt fest, nach welchen Kriterien die Agrarsubventionen an die Bauern verteilt werden. Vom Haushalt der Europäischen Union gehen rund 40 Prozent in diese Töpfe!

Subventionen können steuern

Die Zuschüsse, die die Bauern von der Europäischen Union erhalten, machen oft einen guten Teil ihres Gewinns aus. Deshalb hat die Politik  mit diesen Zahlungen auch Einfluss auf die Ausrichtung der Landwirtschaft. In den Agrarausschüssen und im Europäischen Parlament haben die Volksvertreter diskutiert, wie stark Umweltauflagen in der GAP berücksichtigt werden sollen. Eine endgültige Entscheidung über die GAP wird Ende Juni fallen. Es deutet sich ein kleiner Schritt in Richtung ökologischere Ausrichtung an, gespickt mit Schlupflöchern und Übergangsregelungen.

Die Zivilgesellschaft darf mitreden

Die Politik setzt mit der GAP wichtige finanzielle Rahmenbedingungen, doch in letzter Konsequenz stehen die Verbraucher im Austausch mit den Landwirten. Wie unsere Lebensmittel produziert werden, ist also auch ein Thema für die Zivilgesellschaft, die Bürger, für jeden von uns.

  • Was wollen wir für eine Landwirtschaft?
  • Wie sollen unsere Lebensmittel hergestellt werden?
  • Welche Verantwortung hat die Landwirtschaft für den Schutz der Umwelt?
  • Welche Anforderungen haben wir an den Tierschutz?
  • Unter welchen Bedingungen sollen die Menschen in der Landwirtschaft arbeiten?
  • Wie wichtig ist uns der Erhalt der Artenvielfalt?
  • Wollen wir den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen?
  • Wie stehen wir zur Gewährung von Patenten auf Lebewesen (Tiere und Pflanzen)?
  • Ökologische Landwirtschaft: welche Rolle kommt dieser Wirtschaftsweise zu?

Ökologische Landwirtschaft und der Bauernverband

Vor diesem Hintergrund hat Dr. Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, auf der BioFach 2013 den Vortrag „Vision Ökolandbau 2013“ gehalten. Dr. Born schaut aus einer überwiegend ökonomischen Perspektive auf die Lage der ökologischen Landwirtschaft.

Höhere Ausgleichszahlungen für ökologisch wirtschaftende Betriebe setzten seiner Meinung nach die falschen Anreize. Mehr Ertragsstabilität und Produktivität durch die Agrarforschung, eine höhere Effizienz in der Vermarktungskette, eine Abkehr von der Discount-Philosophie und die Verbindung von Bio und Regionalität sind seine Strategien für die ökologische Landwirtschaft der Zukunft.

Hier der Vortrag als Audio (oder auch als Video auf YouTube sowie die Vortragsfolien als PDF-Datei). Eingebettet findet ihr den Audio-Mitschnitt auf Soundcloud. Ihr könnt eure Anmerkungen im Audio hinterlassen und zwar direkt an der Stelle, an der ihr kommentieren wollt.

Mehr als das „schnöde Mammon“

Als Vision für einen Ökolandbau im Jahr 2030 bleiben mir die Vorschläge von Dr. Helmut Born zu sehr in den aktuellen Situation und bestehenden Strukturen verhaftet. Und leider wird immer wieder übersehen, dass ein Teil der Kosten der konventionellen Landwirtschaft von der Gesellschaft übernommen wird: Umweltbelastung, Beeinträchtigung der Ökosysteme, im Extremfall dauerhafte Zerstörung von Anbauflächen …

Was kann eurer Meinung nach die ökologische Landwirtschaft bis 2030 beflügeln und verändern? Denkt man so weit voraus, sind auch die Struktur des Marktes veränderbar. Und schon heute gibt es neue Strömungen, wie die solidarische Landwirtschaft, bei der Verbraucher und Landwirte direkt zusammenarbeiten, an der klassischen Vermarktungskette vorbei.

Welche Visionen habt ihr, wenn ihr euch die ökologische Landwirtschaft im Jahr 2030 vorstellt? Hier geht’s zum Diskussionsforum „Visionen Ökolandbau 2030“. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch an der Diskussion beteiligt.

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