Mischkultur von Mais wiederbeleben

Mischkultur von Mais wiederbeleben

Dr. Walter Schmidt, langjähriger Leiter der Maiszüchtung bei KWS und seit kurzem im Ruhestand, sprach über das von ihm weiterhin begleitete Projekt zur ko-evolutionären Pflanzenzüchtung. Bei diesem Projekt versuchen die Züchter, dem Mais seine Mischkultur-Eignung zurückzugeben.

Mischkultur wieder aufnehmen

In Peru selektiert die Bevölkerung seit mehr als 2000 Jahren Mais und Bohnen zusammen in Mischkultur. Hier stehen nicht Anbaueignung und Ertrag der einzelnen Kulturen im Vordergrund, sondern die Selektion auf die optimale Mischkultur-Eignung, erklärte Dr. Walter Schmidt den Zuhörern im Hörsaal der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Partnerschaft drückt sich darin aus, dass die Stangenbohne als Leguminose den Stickstoff im Boden fixiert und dem hungrigen Mais dabei hilft seinen N-Bedarf zu decken. Der Mais gibt im Gegenzug der Stangenbohne den Halt, um in die Höhe zu wachsen. Auf dem Teller ergänzt die Bohne durch ihre wertvollen Proteine den Mais, der einen hohen Kohlenhydratgehalt bietet, so der Züchter.

Wege aus der Einseitigkeit

Die “moderne” Pflanzenzüchtung hat beide Kulturarten getrennt voneinander weiterentwickelt. Mais steht heute typischer Weise im Reinanbau. Mechanisierung und steigender ökonomischer Druck im weltweiten Handel haben die Mischkultur verdrängt. Die Züchtung hat sich entsprechend auf die Optimierung der Maiskultur für den Anbau in Reinkultur konzentriert, berichtete Dr. Walter Schmidt.

Die Erfolge der Hybridzüchtung sowie die optimale Versorgung mit Pflanzenschutzmitteln und Düngern verhalfen dem mechanisierten Reinanbau zum Durchbruch. Die Züchtung und Selektion erfolgte fortan unter Bedingungen, die für diese Kulturmethode optimiert waren. Inzwischen haben “moderne” Mais-Sorten ihre Mischkultur-Eignung verloren und können ihre Ertragskraft nur unter optimaler Versorgung mit Düngern und Pflanzenschutzmitteln abrufen.

Industrialisierte Landwirtschaft überwinden

Heute sehen die Menschen die Grenzen einer stark mechanisierten und industrialisierten Landwirtschaft. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen wie Boden, fossile Energien und der intensive Einsatz von Agrochemie führen in eine Sackgasse. Das Ausmaß der Umweltzerstörung und der Klimawandel sind für jeden greifbar geworden. Aus volkswirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Sicht brauchen wir neue Ansätze, die dazu beitragen, die industrialisierte Landwirtschaft zu überwinden.

Angepasste Züchtungsziele bei Mischkultur

Züchtung muss umdenken. Der Sinn von Systemen der Mischkultur ist wieder klar zu erkennen. Züchtungsziele, denen keine Bedeutung mehr beigemessen wurde, sind wieder von Interesse. Wir brauchen Kulturen, die Konkurrenzkraft besitzen, die sich unter ökologischen Bedingungen beweisen und auch mit weniger Input auskommen, forderte Dr. Walter Schmidt. Sorten für einen erfolgreichen Mischanbau sollten aus einer ko-evolutionären Züchtung hervorgehen. Die gemeinsam angebauten Arten müssen von den Züchtern auf eine funktionierende Partnerschaft selektiert werden.

Weitere Informationen und Beispiele für Mischanbau von Mais und ko-evolutionäre Züchtung finden Sie in der Präsentation von Dr. Walter Schmidt auf der Website der Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

Symposium mit breitem Themenspekturm

Unter dem Titel http://www.zs-l.de/farbe-der-forschung/ hatte die Zukunftsstiftung Landwirtschaft am 7. und 8. März Wissenschaftlerinnen, Bauern, Gärtner und ökologisch Bewegte in die Humboldt-Universität zu Berlin eingeladen. Das Symposium kreiste um die Frage, welche Rolle Netzwerke für Landwirtschaft, Züchtung und Lebensmittelkultur spielen.

Beziehungsnetze wurden auf verschiedenen Ebenen ausgemacht, bei Pilzgeflechten des Bodens, beim bayerischen Bauernstammtisch, bei philippinischen Reiszüchtern, beim Zusammenspiel von Bäumen, Regenwürmern und Vögeln, bei urbanen Gärten, bei der ko-evolutionären Züchtung und mehr. Hier das gesamte Programm des zweitägigen Symposiums mit den Redemanuskripten und Präsentationen der Vortragenden.

Weiterführende Links

Video des Vortrags von Dr. Walter Schmidt

Sorten für den Ökolandbau von KWS

GLS-Treuhand mit den dazugehörigen Stiftungen

2 Kommentare

  1. Klaus-P. Baumgardt sagt:

    Der gemischte Anbau wird hierzulande, wenn überhaupt, nur im (privaten?) Garten angewendet. Alles andere wird als zu arbeitsaufwändig betrachtet, und insofern interessiert sich auch niemand dafür – wie man sieht.

    • Marek Thi sagt:

      Volle Zustimmung. Was ich einwenden möchte: die Rahmenbedingungen, unter denen die Landwirtschaft funktioniert, so wie sie heute betrieben wird, ändern sich.

      Am drastischsten die ökologischen Rahmenbedingungen (Klima, Boden, landwirtschaftliche Ökosysteme, fossile Energien, …). Das wird meiner Meinung nach langfristig Auswirkungen auf das System Landwirtschaft haben, die Systeme wie Mischanbau Entwicklungsmöglichkeiten geben. Aber vielleicht kommen auch ganz andere Lösungen. Welche siehst du?

      Wenn ich nach vorne schaue, sehe ich Parallelen zur Veränderung wie beim System Automobil. Hier sind wir an einem Punkt, wo das bestehendes System „Ich besitze einen eigenen Wagen, den ich selbst fahre und der Wagen wird mit fossilen Energien betrieben, …“ sich nicht mehr weiterentwickeln wird. Wir gehen jetzt in andere Konzepte, die auch eine höhere Komplexität haben, jedoch in veränderten Rahmenbedingungen passen. Neue Technologien, steigende Kosten bei Benzin, teilen statt besitzen, selbstfahrende Autos, mit Strom betriebene Fahrzeuge, … Auch hier ist noch viel zu tun. Der Weg des traditionellen Automobils scheint jedoch zu Ende zu gehen.

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