Hellweghof in Welver − Demeter-Hof im Aufbau

Hellweghof in Welver − Demeter-Hof im Aufbau

Helene Scholz-von Bonin und Gregor Scholz bauen gemeinsam den Hellweghof in Welver-Hündlingsen nach biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise (Demeter) neu auf. Milchprodukte, Fleisch, Eier und Getreide sind das Ergebnis ihres Tuns.

Bei einem Besuch mit dem „Lebensgarten Soest“ erklärte uns Gregor Scholz, wie er und seine Familie den Betrieb entwickeln wollen. Für Gregor Scholz und Helene Scholz-von Bonin war klar, dass sie Landwirtschaft auf einem eigenen Hof betreiben wollen. Nur dann, erklärt der Landwirt, ist es möglich, täglich die eigenen Kinder zu sehen und die Mahlzeiten gemeinsam zu teilen.

Fünf Jahre war das Ehepaar europaweit auf der Suche nach einem Hof. Schließlich waren es Zufälle und glückliche Umstände, die sie in die Soester Börde geführt haben.

Ökologische Neuausrichtung

Der Hellweghof bietet 55 Hektar landwirtschaftliche Fläche, aufgeteilt in 12 Hektar Grünland, 40 Hektar Ackerfläche und drei Hektar Wald. Die Hofstelle bietet einige alte Fachwerkgebäude, die zum Teil neuen Nutzungskonzepten zugeführt werden müssen.

Die Familie steht vor der Herausforderung, den Hellweghof für die Nutzung als Demeter-Hof umzugestalten. Zum Glück konnten sich Pächter und Besitzer schnell über die grundsätzliche Neuausrichtung verständigen. Zunächst standen Investitionen in landwirtschaftliche Geräte an, um mit der Bewirtschaftung beginnen zu können.

Tierhaltung und Futteranbau

Für einen Ackerbaubetrieb sind 40 Hektar Land heute nicht mehr viel. Helene Scholz-von Bonin und ihr Mann entwickelten deshalb die Idee Kühe, Schweine und Hühner auf dem Hof zu halten und ihr Getreide selbst zu Milch, Milchprodukten und Fleisch zu veredeln.

Ein wichtiger Schritt bei der Umgestaltung des Hofs ist der Neubau eines Gebäudes mit einer Fläche von 50 Meter mal 12 Meter. Darin werden der Kuh- und Melkstall sowie die Käserei ihren Platz finden.

Die Hörner bleiben dran

Wie in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft üblich, haben die Kühe auf dem Hellweghof Hörner. Der Betrieb hat derzeit 20 Demeter-Milchkühe, davon 14 Braunvieh und sechs Schwarzbunte. Ein Bulle wird die Herde ergänzen.

Die eigenen Kälber zieht der Landwirt in der sogenannten „muttergebundenen Kälberaufzucht“ groß. Sie bleiben die ersten zwei Wochen komplett bei der Mutter. In den folgenden zweieinhalb Monaten werden die Kühe morgens und abends gemolken, anschließend dürfen die Kälber nachsaufen.

Gregor Scholz schätzt an dieser Art der Kälberaufzucht die enge Mutter-Kind-Beziehung und die frühe Gewöhnung der Kälber an den Menschen.

Die Kühe laufen frei

Die Kühe werden eine Liegehalle bekommen. Dort können sie frei laufen, schlafen und wiederkäuen. An die Liegehalle schließt ein vier Meter breiter Korridor an, der nicht überdacht sein wird. Die Kühe laufen frei und können sich aussuchen, ob sie drinnen oder draußen sein wollen. Hinter dem Freilauf ist der überdachte und windgeschützte Bereich mit dem Fressgitter.

Der Melkstall ist ebenfalls in diese Anlage integriert. Die Milch liefert der Landwirt an die Bio-Molkerei Söbbeke in Gronau-Epe. Ein kleinerer Teil der Milch geht in die eigene Käserei und die Direktvermarktung.

Aus der eigenen Milch wird Helene Scholz-von Bonin in ihrer Käserei Joghurt, Quark, Frischkäse und Camembert herstellen.

Lustiges Treiben im Schweinestall

Im Schweinestall vergnügen sich derzeit die Zuchtsauen von der Rasse Angler Sattelschwein. Diese Rasse ist vom Aussterben bedroht. Das Angler Sattelschwein liefert jedoch eine hervorragende Fleischqualität und hat gute Muttereigenschaften, was Gregor Scholz an diesen Tieren sehr gefällt.

Die Schweine hält der Landwirt in kleinen Rotten von vier Sauen. In Zukunft werden vier Rotten, also 16 Zuchtsauen auf dem Hof leben, dazu zwei Eber, 40 kleine Ferkel und 60 Mastschweine. Aus der eigenen Zucht behält Gregor Scholz nur männliche Ferkel und wird sich gezielt mit der Eberzucht befassen.

Schokoladenbraune Eier

Auch 200 Hühner und ebenso viele Hähnchen werden ihr Zuhause auf dem Hellweghof haben. Die Familie hat sich für die Rasse „Le Maran“ entschieden, die den Vorteil bietet, dass die Hähnchen gemästet werden können. Die Hennen legen wunderschöne schokoladenbraune Eier, die Gregor Scholz zusammen mit dem Gärtnerhof Röllingsen lokal vermarkten wird.

Auf dem Feld wachsen Gemenge

Die 40 Hektar Ackerbau dienen zunächst der Ernährung der eigenen Tiere. Gregor Scholz setzt auf eine zehnjährige Fruchtfolge mit insgesamt 22 verschiedenen Pflanzenarten. Das geht deshalb, weil auf dem Feld Gemenge stehen. In Monokulturen breiten sich Pilze und Schädlinge stärker aus, erklärt der Landwirt. Gemenge sind wesentlich stabiler gegenüber Krankheiten und Schädlingen und sie haben einen positiven Einfluss auf die Bodenstruktur.

Auf den Äckern rund um die Hofstelle standen im Sommer 2013 folgende Kulturen:

  • Demeter-Lichtkorn-Roggen
  • Hafer-Erbsen-Gemenge für die Kühe
  • Ackerbohnen-Lupinen-Gemenge für die Schweine
  • Dinkel als Backgetreide. Im nächsten Jahr ein Dinkel-Mohn-Gemenge
  • Demeter-Raps, der an die Ölmühle des Hofguts Körtlinghausen geht
  • Weizen mit Öllein-Untersaat
  • Sonnenblume-Buchweizen-Gemenge: Sonnenblumen für Speiseöl, Buchweizen für die Schweine
  • Gerste als Futtergetreide

Die Umstellung braucht Zeit

Die Umstellung von konventioneller auf biologisch-dynamische Landwirtschaft braucht eine klare Idee, viel Zeit und Geld, das hat der Rundgang auf dem Hellweghof gezeigt. Wir konnten aber auch sehen, wie viel Freude es macht, einen solchen Hoforganismus zu entwickeln und sich der Komplexität der Demeter-Landwirtschaft zu stellen. Auf dem Hellweghof greifen die Tierhaltung, die Futtererzeugung und die Verarbeitung der Milchprodukte eng ineinander. Ich wünsche Helene Scholz-von Bonin und Gregor Scholz viel Erfolg für die kommenden Aufgaben und freue mich auf ihre Produkte in unserem Bioladen.

Weiterführende Links

Website des Hellweghofs

Hellweghof auf Demeter-NRW

Gärtnerhof Röllingsen

Bioladen „Lebensgarten Soest“

Hofgut Körtlinghausen

Bio-Molkerei Söbbeke

Demeter Deutschland

 

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