Erhaltet die Biodiversität − „Arche des Geschmacks“

Erhaltet die Biodiversität − „Arche des Geschmacks“

Was hat Biodiversität mit unserer täglichen Ernährung zu tun? Ein Web-Video von Slow Food erklärt die Zusammenhänge zwischen Lebensmitteln, Ernährungsweise und Kultur sowie der biologischen Vielfalt.

Die biologische Vielfalt ist eine wichtige Grundlage für die Entwicklung auf unserem Planeten. Verändert sich die Umwelt, müssen sich Pflanzen und Tiere daran anpassen. Je größer die Biodiversität ist, desto wahrscheinlich ist es, dass die Natur eine passende Antwort auf die Herausforderungen hat.

Das Verschwinden der Arten

Die Menschen tragen heute entscheidend dazu bei, dass sich die Lebensbedingungen auf der Erde verändern. Gleichzeitig sind wir es auch, die dafür sorgen, dass die biologische Vielfalt schrumpft. Wir arbeiten also von zwei Seiten an der Krise des Planeten.

27.000 Arten verschwinden jedes Jahr von unserer Erde.

Der Schutz der biologischen Vielfalt betrifft nicht nur die Regenwälder und abgelegenen Orte, sondern auch die Äcker und Ställe vor unserer Haustür. Der Mensch betreibt seit Jahrhunderten Ackerbau und Viehzucht. Über die Zeit ist eine große Zahl angepasster Tieren und Pflanzen entstanden.

Heute lassen wir diesen Reichtum jedoch rasant schrumpfen. Die Züchtung von Pflanzen und Tieren ist ein „Business“ in den Händen von wenigen Unternehmen geworden und basiert auf gentechnischen Verfahren.

Die Landwirtschaft ist inzwischen mechanisiert und automatisiert, was eine Vergrößerung der Betriebe und Vereinheitlichung der Produkte bedingt.

Gentechnik in der Züchtung

Der Wettbewerb und die technischen Möglichkeiten der Züchtung haben zu einer enormen Beschleunigung geführt. Gleichzeitig sind die Kosten für Grundlagenforschung und die Züchtung stark gestiegen. Die Leistungsfähigkeit moderner Sorten hat alte Sorten weitgehend verdrängt.

Die Unternehmen versuchen, mit möglichst wenigen Sorten einen möglichst großen Marktanteil zu erhalten, um die Kosten für ihre hohen Investitionen zu decken. Sie schützen die Sorten und Verfahren durch Patente und biologische Schutzmechanismen. Siehe dazu auch Salatwerkstatt-Beitrag „Züchtung aktiv mitgestalten“.

Die Landwirte können die Pflanzen und Tiere, die auf ihren Betrieben wachsen und leben nicht mehr legal selbst vermehren. Die Rechte und die Kenntnis über die Züchtungs- und Vermehrungsverfahren liegen heute in den Händen weniger Unternehmen.

Kulturgut oder „geistiges Eigentum“

Verlieren die Landwirte und wir Menschen, die Rechte an dieser Lebensgrundlage? Sehen wir die Pflanzen und Tiere als ein Kulturgut, das durch Evolution und landwirtschaftliche Selektion über die Jahrhunderte entstanden ist oder sind sie „geistiges Eigentum“ der Züchtungsunternehmen?

Wie sehr beschränken wir unsere Betrachtung Lebensmitteln auf die Genetik? Welche anderen Aspekte kommen dazu? Wo und wie werden unsere Lebensmittel produziert, an welchem Standort, mit welchen Kulturtechniken und aus welcher Gemeinschaft von Menschen heraus?

Von Geschmack und Genuss

Auf dem Teller haben wir schließlich Produkte mit Geschmack, Geruch, Form und Farbe. Wir gestalten ihre Eigenschaften beim Kochen und bei der Verarbeitung. Die Lebensmittel liefern uns die Basis für unsere Ernährung, physiologisch und kulturell.

Wir brauchen die biologische Vielfalt. Wie können wir sie erhalten und vergrößern? Wie können wir der negativen Entwicklung der letzten Jahrzehnte entgegenwirken? Weniger Vielfalt bei unseren Kulturpflanzen und Nutztieren bedeutet  eine Verschlechterung unserer Lebensgrundlage, eine Zerstörung von Kultur und einen Verzicht auf innere Freude. Essen ist gemeinsame Kultur, Genuss und Lebensfreude.

Arche des Geschmacks

Slow Food setzt sich international für Biodiversität ein. In dem Projekt „Arche des Geschmacks“ (Ark of Taste), das von der Slow Food Stiftung für Biodiversität getragen wird, sind inzwischen fast 1200 Produkte mit einer besonderen kulturellen, historischen oder traditionellen Qualität aufgelistet, deren Existenz bedroht ist. Die Arche des Geschmacks wurde geschaffen, um auf diese selten gewordenen Kulturgüter und Lebensmittel aufmerksam zu machen.

„Presidia“ ist ein weiteres Projekt von Slow Food, das einen Beitrag für den Erhalt der biologischen Vielfalt leistet. Presidi sind konkrete Beispiele einer neuen, nachhaltigen Landwirtschaft. Mehr über dieses internationale Programm findet ihr hier „Netze der Nachhaltigkeit“.

Weiterführende Links

Arche des Geschmacks von Slow Food

Slow Food Deutschland

Netze der Nachhaltigkeit Slow Food Deutschland

Slow Food Foundation for Biodiversity

Ark of Taste bei Facebook

Alternative biologische Züchtung

 

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