Biolandwirt des Jahres Ceres Award 2015

Biolandwirt des Jahres Ceres Award 2015

Ulf-Peter Carstens gewann den Ceres Award zum Landwirt des Jahres in der Kategorie Biolandwirt. Der 26-jährige Landwirt leitet seit dreieinhalb Jahren den 1000 ha großen Acker- und Gemüsebaubetrieb Westhof in Friedrichsgabekoog in Schleswig-Holstein.

Erfolgreicher, junger Bio-Großunternehmer

Der Gewinner des Ceres Awards in der Kategorie Biolandwirt, Ulf-Peter Carstens, stieg 2012 in den Westhof in Friedrichsgabekoog ein. Inzwischen hat er in seiner GbR, in der er mit einem Teilhaber für Anbau und Ernte von Möhren, Roter Bete, Kohl und vielen weiteren Gemüsen zuständig ist, einiges verändert. Dabei zielten seine Bemühungen darauf, die Effizienz zu steigern und die Arbeitsbedingungen der 12 festangestellten und bis zu 100 saisonalen Arbeitskräfte zu verbessern.

Der Biolandwirt setzte größere Maschinen und Anbaugeräte mit einer größeren Arbeitsbreite, um mit weniger Arbeitsgängen die Flächen bewirtschaften zu können. Mittlerweile bewirtschaftet der Westhof 1.000 ha Fläche nach den Richtlinien Bioland. Damit ist es der größte Bio-Betrieb Deutschlands.

Direkte Verbindung zwischen Bauer und Kunde

Die beiden anderen Finalisten in der Kategorie Biolandwirt waren Christian Heymann vom Naturland-Betrieb Speisegut, einer solidarischen Landwirtschaft aus Berlin und Michael Oberhollenzer, der in seinem Bioland-Betrieb Moserhof in Südtirol mit 160 Milchschafen, Käserei und Hofladen bewirtschaftet. Kunden und private Investoren können bei Michael Oberhollenzer Genussrechte erwerben und erhalten im Gegenzug für ihre Einlagen Produkte des Hofes.

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Audioversion Landwirt des Jahres 2015, Kategorie Biolandwirt

Ceres Award zeigt die Breite der Landwirtschaft

Der Ceres Award zeichnete dieses Jahr Landwirte und Landwirtinnen in neun verschiedenen Kategorien aus: Ackerbauer, Junglandwirt, Milchviehalter, Manager, Energielandwirt, Biolandwirt, Schweinehalter, Geschäftsidee und Unternehmerin. Mit diesem Konzept gelingt es den Veranstaltern, die Breite der Landwirtschaft an einem festlichen Abend zu präsentieren und interessante Persönlichkeiten aus der Landwirtschaft vorzustellen.

Video der Preisverleihung Gesamtsieger Landwirt des Jahres 2015 und Audioversion Landwirt des Jahres 2015

Video der Preisverleihung Landwirtin des Jahres 2015, Kategorie Geschäftsidee und Audioversion Landwirtin des Jahres 2015, Kategorie Geschäftsidee

Die Auszeichnungen wurden 2015 in einem festlichen Rahmen der sogenannten „Nacht der Landwirtschaft“ am 14. Oktober im Tipi am Kanzleramt in Berlin überreicht. Veranstalter ist der dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag, der unter anderem die Fachmedien Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, LAND & Forst, agrarmanager oder das Online-Nachrichtenportal agrarheute.com herausgibt.

Fehlender Bezug der Verbraucher zur Landwirtschaft

Zu Beginn der Veranstaltung hielt Historik Dr. Andreas Möller, Leiter Unternehmenskommunikation und Politik bei TRUMPF, einen Impulsvortrag, der sich mit dem gegenwärtigen Verhältnis der Menschen in Deutschland zur Natur auseinandersetzte. Die Gesellschaft würde die Landwirtschaft verklären, so Möllers These, Natur würde zur Ersatzreligion der Generation Landlust. Den Wunsch vieler Konsumenten nach regionalen und ökologisch erzeugten Produkten führte Möller unter anderem auf die beschriebenen Verklärung und dem fehlenden Bezug zur Landwirtschaft zurück.

Es mag sicher Beispiele für die These Möllers geben, doch für all diejenigen Kunden und Beteiligten der Bio-Wertschöpfungskette, die sich intensiv mit ökologischer Landwirtschaft und regionalen Kreisläufen auseinandersetzen, trifft die Beschreibung Möllers meiner Meinung nach nicht zu. Diese Menschen hatten in Möllers Vortrag keinen Platz. So wirkten die Aussagen in Möllers Impulsvortrag provokativ und ins Bild der anwesenden überwiegend konventionellen Landwirte passend.

Agrarbranche muss sich neu ausrichten

Nachdem Dr. Andreas Möller den polemisierenden Beitrag des Abends geliefert hatte, klang Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, versöhnlich, tolerant und integrierend. Rukwied lobte die Pionierleistung und Innovationskraft der Landwirte in Deutschland. Sie würden auch in Zukunft die Kraft haben, sich aus sich selbst heraus neu auszurichten und zu erneuern, so der Bauernpräsident. Das habe ich als seine Antwort auf die zunehmende Kritik von Teilen der Gesellschaft an der „modernen“ Landwirtschaft verstanden. Wie das gelingen soll, blieb für mich an diesem Abend jedoch weitgehend offen.

Neue Konzepte nominiert, aber nicht ausgezeichnet

Vor diesem Hintergrund möchte ich noch einmal auf die Preisvergabe in der Kategorie Biolandwirt schauen. Nominiert waren drei Landwirte zwei davon haben Konzepte verwirklicht, die auch alternative Wirtschaftsmodelle in die Landwirtschaft einbringen, Christian Heymann mit seiner solidarischen Landwirtschaft Speisegut, bei der sich die Verbraucher längerfristig mit ihrem regionalen Landwirt verbinden, ihn in seiner Wirtschaftstätigkeit absichern, indem sie eine Zusage über die Abnahme der Produkte machen und in einigen Fällen auch selbst auf dem Hof mitarbeiten.

Auch Michael Oberhollenzer mit seinem Milchschaf- und Käsereibetrieb Moser Hof ermöglicht es den Verbrauchern, sich über die Finanzierungsform der Genussrechte, direkt am Betrieb zu beteiligen und Investitionen möglich zu machen. Auch seine Kunden gehen eine engere Beziehung mit dem Landwirt uns seinem Betrieb ein und ihre Dividende ist nicht Geld, sondern sind gute Lebensmittel vom Hof.

Biolandwirt des Jahres passt ins Selbstbild der Branche

Der Sieger in der Kategorie Biolandwirt, Ulf-Peter Carstens vom Westhof, zeigt mit seinem Betrieb dagegen, dass Bio-Anbau auch mit großen Strukturen und Vermarktungsstrukturen wie im konventionellen Anbau geht. Das scheint am besten zum Selbstverständnis von Landwirtschaft zu passen, das die Mehrheit der Branche von sich hat. Optimieren, Kosten reduzieren, Wachsen, ein möglichst guter Partner des organisierten Handels sein. Das diese Vermarktungsstrukturen und das unaufhörliche streben nach Optimierung und Kostensenkung eine entscheidende Ursache der Krise der Landwirtschaft sind, scheint die Branche sich noch nicht eingestehen zu können.

Ob die Agrarbranche tatsächlich die Kraft hat, sich aus sich selbst heraus neu zu erneuern, wie Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, in seiner Ansprache beim Ceres Award verkündete? Die Auszeichnung zum Biolandwirt des Jahres gab mir dafür wenig Hoffnung.

Weiterführende Links

Westhof, Ulf-Peter Carstens

Speisegut, Christian Heymann

Moser Hof, Michael Oberhollenzer

Ceres Award

DBV Deutscher Bauernverband

dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag

Fotograf Philipp Ledényi (Portraits Landwirte)

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